AD DS und AD LDS im Direktvergleich

In diesem Artikel werden die Unterschiede zwischen den Verzeichnisdiensten Active Directory Domain Services (AD DS) und der Lightweight Variante AD LDS beschrieben.  Dabei wird auf die besonderen Anwendungsfälle sowie Vor- und Nachteile eingegangen. Anschließend werden die Erkenntnisse zu einem Fazit zusammengefasst.

Verzeichnisdienste

AD DS und AD LDS sind beides Verzeichnisdienste. Ein Verzeichnisdienst dient grundlegend als Datenbank, in der Informationen über Objekte abgelegt und verwaltet werden. Als Objekte gelten hierbei alle Benutzer, Gruppen oder Geräte. Verzeichnisdienste werden wie die anderen, verschiedenen Dienste bei der Konfiguration von Windows Server auch als Server-Rollen bezeichnet.

AD DS

AD DS (Active Directory Domain Services) ist ein hierarchischer Verzeichnisdienst, welcher mit Windows 2000 von Microsoft eingeführt wurde. Dieser Dienst bietet kurz folgende Funktionen:

  • Einen Daten- und Verzeichnis Speicher, um Informationen zu AD-Objekten zu speichern.
  • Einen Regelsatz bzw. ein sog. Schema, welches die im Verzeichnis enthaltenen Objekt- und Attributsklassen definiert, die Einschränkungen für Instanzen dieser sowie Namensformate. Es ist bspw. eine Schemaerweiterung notwendig,  wenn ein Windows Server 2012 DC in einem Netzwerk eingerichtet wird, welches bisher nur Windows Server 2003 DCs kannte.
  • Den globalen Katalog, welcher fast alle Informationen zu den im Verzeichnis enthaltenen Objekten enthält und Administratoren sowie Benutzern die Suche nach diesen ermöglicht, unabhängig von der Domäne.
  • Einen Abfrage/Indizierung Mechanismus, mit dem Eigenschaften und Objekte veröffentlicht und von Netzwerkbenutzern oder Anwendungen (IDM Portal) gesucht werden können.
  • Ein Replikationsdienst zur Verteilung von Verzeichnisdaten im Netzwerk. Jede Änderung der Verzeichnisdaten wird auf alle Domänencontroller in der Domäne repliziert.
  • Ein Sicherheitssystem zur Anmeldung sowie dem Zugriff auf Verzeichnisdaten.

AD LDS

AD LDS (Active Directory Lightweight Directory Services) bietet im Wesentlichen nur eine Untermenge des Funktionsumfangs von AD DS. Das macht ihn zu einem schlanken und unabhängigerem Verzeichnisdienst, welcher auch ohne die Integration mit einem bestehenden AD als alleinstehendes Directory betrieben werden kann.

Vor Windows Server 2008 hieß AD LDS noch ADAM (Active Directory Application Mode) und galt lediglich als Erweiterung und noch nicht als Server-Rolle.

In einem weiterführenden Artikel beschreiben wir, wie man AD LDS mit PowerShell installiert.

Gemeinsamkeiten

Beide Verzeichnisdienste arbeiten mit demselben Kern-Code:

  • Wie bei AD DS basieren auch AD LDS-Instanzen auf LDAP (Lightweight Directory Access Protocol) und stellen hierarchische Datenbankdienste bereit.
  • Genauso wie bei AD DS beherrscht AD LDS Standorte und Replikation.

AD LDS unter der Lupe

AD LDS Vorteile

  • Unterstützung mehrerer Instanzen mit jeweils einem Schema
  • Funktioniert wie eine Anwendung und braucht deshalb keine Domäne oder einen Domain Controller und kann ohne Neustart installiert werden
  • Kann parallel auf einem Server mit einem AD DS als auch Standalone auf einem Clienten oder einem Mitgliedsserver installiert werden

AD LDS Nachteile

  • TrustsGroup PoliciesDNS Dienste und der globale Katalog werden nicht unterstützt
  • Kann keine Workstations und Server verwalten. Das heißt: man kann keine Domäne erstellen und dann anschließend Workstations hinzufügen.
  • Keine automatische Softwareverteilung

Kurze Gegenüberstellung AD DS und AD LDS

Die folgende Übersicht fasst einige Kern-Unterschiede zusammen:

Anwendungsgebiete

  • Bereitstellung der Unterstützung für abteilungsspezifische Anwendungen:
    Häufig genügen die standardmäßigen Attribute im Active Directory nicht, um die von einer Applikation benötigten Benutzerinformationen zu speichern. AD LDS kann die zusätzlichen Informationen aufnehmen, so dass keine Schemaerweiterung im AD notwendig wird. Man würde zu diesem Zweck eine Replikationsbeziehung zwischen dem AD DS und AD LDS aufbauen und in Letzterem ein entsprechend erweitertes Schema für Benutzerobjekte verwenden.
  • Optimiertes Speichern der Thumbnails Ihrer Mitarbeiter auf einer AD LDS-Instanz:
    Durch Speichern der Fotos in den AD LDS an einem zentralen Speicherort sind sie mit den Benutzerkonten in den AD DS verknüpft. Da sie in den AD LDS enthalten sind, werden sie nicht mit allen anderen AD DS-Daten repliziert und die Bandbreitenanforderungen bei der Replikation verringert sich.
  • AD LDS kann für die Authentifizierung externer Benutzer verwendet werden.

Folgende Anwendungsbereiche bieten sich an:

  • Sicherheit – AD LDS als Authentifizierungsinstanz
  • Entwicklungsumgebung – AD LDS eignet sich als Active Directory-Ersatz für Entwickler
  • Flexibler Informationsspeicher für AD-Benutzerkonten

Fazit

AD LDS sollte nicht als Konkurrent zu AD DS betrachtet werden, sondern viel mehr als Unterstützer. Es ist ein vollwertiger LDAP-kompatibler Verzeichnisdienst, dem die Infrastrukturkomponenten von AD DS fehlen.


Quelle: https://www.active-directory-faq.de/2019/04/ad-ds-und-ad-lds-im-direktvergleich/

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